Wenn Politiker schwer angeödet vom Geschwafel des politischen Kontrahenten im Plenarsaal abhängen. Wenn sie sich mit einem gequälten Lächeln im zerfurchten Gesicht in ihre Stühle fläzen während ein Hinterbänkler sie beleidigt. Wenn sie dann, gerade noch ohne jegliche Körperspannung, plötzlich beginnen, in einer Art Übersprungshandlung auf einem Zettel herumzukritzeln, hab ich mich schon gefragt: Was bitteschön gibt es da jetzt zu notieren?
Jüngst erhielten wir selten tiefe Einblicke in die dann doch überraschend schlichte Welt des Politkritzelns.
8 schmierte Berlusconi auf einen Zettel, erst gestern, als er seine Mehrheit im Parlament verlor. „8“, gekippt das Symbol für „Unendlichkeit“, welches zum eigentlichen Ansinnen des feurigen Bungabungaisten, auf ewig Italien zu regieren, gepasst hätte. Gemeint war jedoch die Zahl acht; denn er blickte kurz auf, leer, versteinert, und vollendete mit: „Verräter“.
Ebenfalls wie nur mal so dahingekritzelt weil direkt aus Sarkozys Mund gerutscht ohne zuvor die Schleife übers Hirn genommen zu haben wirkte dessen erst kürzlich geäußertes „Hau ab, Du Depp“, gemünzt auf Israels Chef Netanjahu.
Das alles trug sich zu nach den gesprochenen, mantra-ähnlichen Kritzeleien des Ronald Profallas Anfang Oktober, die da lauteten „ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen, ich kann Deine Scheiße nicht mehr hören“ und die sich auf seinen Parteifreund Wolfgang Bosbach bezogen.
Wir Fußballfans kennen das mit den Kritzeleien zur Genüge, nicht von Hinterbänklern, sondern von den Typen auf der Bank wie Trainer, Physiotherapeut, Mentalcoach, Balleinfetter.
Unser Hüüb etwa (oh, das besitzanzeigende Fürwort geht mir noch schwer von den Fingern), das ist so einer. Sitzt da, in seinem Trainingsanzug, und kritzelt. Wobei er meist gerade dann den Stift ansetzt, wenn sich eine Kamera auf ihn richtet.
Fällt ein Tor für uns, grinst er beim Kritzeln, fällt eins gegen uns, knurrt er (vermute ich). Wenn gar nichts passiert, notiert er… ja, was eigentlich? Etwa beim Grottenkick gegen Larnaka. „Scheiße, ich hab 11 Verräter auf dem Feld!“? Und am Ende: „Ich kann diese 11 Fressen nicht mehr sehen!“? Oder wenn unser Senor wie letzten Sonntag gegen Hannover 96 nicht zu sehen ist, bis auf eine Chance, die der Unantastbare, Unauswechselbare aber versiebt, notiert unser Trainer dann wutentbrannt: „Raùl, hau doch ab, Du Depp“? Ob der sich das traut?
12. November 2011 um 11:06 Uhr
Auch schön ist, wenn Huubs Hand beim Torjubel ganz schnell in der Hosentasche verschwindet, um, ja was eigentlich? Den Block festzuhalten, damit er nicht flöten geht? Oder ihn direkt parat zu haben um was auszuschreiben? Den Torschützen? Seltsam, kann man doch alles im Internet nachlesen…
Vermutlich alles nur eine Art der Therapie…