Magsein

Aber nicht egal

Ungeliebter JayJay

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Ich ver­steh nicht, warum der Jones nicht spielt.” Das Mantra meines alten Fre­un­des Waldi, Stammkneipen­be­treiber und mein per­sön­licher königs­blauer Fels in der schwäbis­chen Bran­dung, klingt mir nach­haltig in den Ohren. Immer und immer wieder zwis­chen Saisonauf­takt und Stevens, “ich ver­steh nicht, warum der Jones nicht spielt”. Doch Ralf Rang­nick dachte wie schon sein Vorgänger gar nicht daran, auf der Suche nach mehr defen­siver Sta­bil­ität eine Strecke auf den robusten Spieler zu setzen.

Fre­und Waldi (im Bild links) ließ das keine Ruhe, hatte er doch beim Bun­desli­gas­tart im Stuttgarter Neckarsta­dion gese­hen, was auch ich gese­hen hatte: Das ungeliebte Fußbal­lkind Jay­Jay, Unsym­pa­thi­eträger erster Garde, war — in einem der schlecht­esten und kör­per­los­es­ten Schalker Auftritte ever, zumin­d­est in meinem Bewusst­sein, und ich habe, der Fußball­gott ist mein Zeuge, wahrlich viele Grot­ten­kicks gese­hen (gegen Lar­naca bin ich eingepennt) — er der Einzige, der eine Art Leis­tung brachte. Der dem ob der Schalker Geschenke an jenem Tage dankbarem Geg­ner wenig­stens noch ver­suchte, an die Trikotwäsche zu gehen oder einen der in Summe zwei eroberten Bälle zum eige­nen Spieler zu passen. Anders gesagt: Der hes­sis­che Kick­proll zeigte als Einziger Moral.

Jetzt muss man wis­sen, dass Fre­und Waldi — 1971 mit 18 Jahren Spiel­er­trainer des ASV Poltrin­gen in der C-Klasse und damit Deutsch­lands Jüng­ster in diesem Amt, was damals gar dem kicker einen Artikel wert war — stets mein erster Ansprech­part­ner in prekären fußbal­lerischen Angele­gen­heiten ist: also in solchen, die mich ver­wirren, beun­ruhi­gen, die ich nicht for­mulieren kann weil emo­tional ges­teuert und die ich fak­tisch zu unter­mauern nicht in der Lage bin. Oder/und wenn ich mich sehr ein­sam fühle mit meiner Mei­n­ung. Etwa als Fuchs verpflichtete wurde, verse­hen mit dem Prädikat “einer der besten linken Vertei­di­ger der Liga”, und ich die Euphorie darüber nicht teilte. Geduldig lauscht er ver­wirren­den Argu­mentens­ket­ten wie “ich weiß nicht, ich weiß nicht, bei Bochum war’s für ihn ein Leichtes, in einem schwachen Team pos­i­tiv aufz­u­fallen; Mainz, das war eine intakte Mannschaft, da wurde er mit­ge­tra­gen; die Freistöße, klar, aber hin­ten macht der mich ganz nervös”. Und wo andere Experten mich nur milde belächeln, nickt er zus­tim­mend und ver­wan­delt mein Ges­tam­mel in Sachken­nt­nis, klärt mich fak­ten­re­ich darüber auf, warum ich so fühle. Unzäh­lige Male ver­ließ ich seine rauchgeschwängerte, heimelige Kneipe nach durchzechter, diskus­sion­sre­icher Nacht mit dem schö­nen Gefühl, ver­standen wor­den zu sein, wieder dazugel­ernt zu haben.

Dieser Fach­mann kom­men­tierte die Verpflich­tung von Jay­Jay im Som­mer (zu der ich keine Mei­n­ung hatte) mit kritschem Kopfhi­n­und­hergewiege, wobei er trotz seiner charak­ter­lichen Zweifel nicht ver­gaß, Jones’ kämpferische Stärken her­vorzuheben, mit dem abschließen­den Kom­men­tar “wer weiß, die kön­nten wir eventuell noch gut gebrauchen”. Überhaupt nicht ein­ver­standen war er mit Hüüb als Nach­fol­ger Rang­nicks (“Bloß nicht, bloß nicht, bloß nicht! Rück­fall in die Steinzeit!”). Dass Jones dann seine Chance erhielt, stimmte Waldi dem Knur­rer gegenüber milder.

Zwar ist die Zeit noch nicht reif für ein Fazit, doch mit­tler­weile sieht es so aus, als sei das Sechser-Tandem Jones/Holtby nicht die schlecht­este aller Mit­telfeldlö­sun­gen: Jones selb­st­be­wusste Präsenz, sein aggres­siver, ener­getis­cher Stil schaf­fen den notwendi­gen Raum für Holt­bys Offen­si­vak­tio­nen. Kurzum: dass dessen kreative Tal­ente wieder besser zur Gel­tung kom­men, ist derzeit nicht zuletzt ein Ver­di­enst von Jer­maine Jones. Sagt übrigens auch Waldi. Weshalb ich dem vor­be­halt­los zustimme.

Ein Kommentar

  1. Jer­maine jones hätt ich auch grad gern fürn Club! und jemand wie waldi mit fuss­bal­lver­stand und eigener kneipe! seufz!

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