Magsein

Aber nicht egal

Kugel oder Schal

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Jeder nimmt die Welt anders, weil mit eige­nen Augen wahr. Heute etwa hat man die Wahl, sich an ein paar Stun­den son­nigem Okto­bertag zu erfreuen oder über die Kürze des Tages und das fahler wer­dende Herb­stlicht zu lamen­tieren. Wie wir etwas wahrnehmen, hängt von vie­len Fak­toren wie äußere Umstände oder Laune ab. Gestern muss ich einen ganz guten Tag erwis­cht haben, einen, an dem ich die Welt mit wohlwol­len­den Augen sah.

Im Gegen­satz zu der Welt, die gese­hen haben will, wie “Schalke­fans”, also mehrere,  in der Hal­bzeit eine Bil­lard­kugel nach Markus Merk war­fen (woraus sich kuriose Schlüsse ergäben: Viele Hände beförderten das Ding gemein­sam und zeit­gle­ich Rich­tung Ex-Schiri, oder, und damit überhaupt mehrere “Fans” immer wieder die eine Kugel wer­fen kon­nten, gab es im Innen­raum kol­la­bori­erende Zurückwerfer).

Ich aber bezwei­fle schon die Behaup­tung, es habe sich um eine echte Bil­lard­kugel gehan­delt. Denn was ich sah, in einem dem Vor­fall angemessen schock­ierten Film­beitrag (eines Aktuellen Sport­stu­dios, das sich, wie ich nach langer Absti­nenz angemessen schock­iert zur Ken­nt­nis nahm, in schock­ierend schlechter Ver­fas­sung befindet), war ein Gegen­stand, der erhe­blich kleiner wirkte als eine Bil­lard­kugel. Weil die Hand, die das Wur­fgeschoss hielt, mir pro­por­tional zu groß schien. Oder eben die Kugel zu klein. Vielle­icht ein etwas wuchtig ger­atener Schlüs­se­lan­hänger, dachte ich bei mir, auch, weil ich es mir nicht erk­lären kon­nte, wie jemand dazukommt, Bil­lard­kugeln mit ins Sta­dion zu schleppen.

Außer vielle­icht allein zu dem Zweck, Markus Merk zu tre­f­fen, befeuert von einem Hass, von dessen Dimen­sion ich bis gestern nichts ahnte. An jenem Tag im Unglück­s­jahr 2001 befand ich mich näm­lich mit meinem Fre­und Waldi, eben­falls ein glühen­der Schalkean­hänger, im Dreisam­sta­dion, kon­nte also das Schalke­spiel nicht selbst sehen. Gegen wen die Freiburger spiel­ten? Weiß ich nicht mehr. Denn wir waren im Geiste bei unserem Verein, zit­terten per Radio mit, lagen uns nach ver­meintlichem Spielschluss jubelnd in den Armen, um Minuten später mit hän­gen­den Köpfen und bit­ter ent­täuscht das Sta­dion zu verlassen.

Was ich aber damals gese­hen habe, und zwar vor Ort, war die 1:0 Nieder­lage der Knap­pen in Stuttgart, Bal­akovs Schuss mit­ten ins Schalker Herz. In meiner Welt haben sie dort die Meis­ter­schaft ver­zockt. Diese andere Einord­nung der Geschehnisse mag schließlich der Grund dafür sein, dass ich, bei aller der Schiri-Entscheidung innewohnen­den Dra­matik, den totalen Hass auf Merk ergo den “Billardkugel”-Wurf nicht nachvol­lziehen kann. Diesem Pfälzer Zahn­klemp­ner einen Schalke-Schal zu schenken geht jedoch entsch­ieden zu weit.

 

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