Magsein

Aber nicht egal

Mein dicker fetter Fußabdruck

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Nicht schlecht“, loben mich die Macher von  http://www.footprint.ch. Denn  „Sie liegen unter dem Schweizer Durch­schnitt von 2,9 Plan­eten”. „Aber“, folgt der erhobene Zeigefin­ger, „wenn alle Erden­be­wohner densel­ben Lebensstil hät­ten wie Sie, bräuchten wir immer noch 1,8 Plan­eten, um unseren Ressourcenver­brauch nach­haltig zu decken.“  So schaut sie also aus, meine ganz per­sön­liche CO²-Bilanz nach einem  virtuellen Check meiner Lebens­ge­wohn­heiten. Auf den ersten Blick ein akzept­abler ökol­o­gis­cher Fußab­druck, aber ehrlich gesagt…    Der Reihe nach. Reinen Herzens beant­worten  kon­nte ich die erste Frage – nach Geschlecht und Alter. Geknickt gab ich weiter zu Pro­tokoll: Ich bewohne zu viele Quadrat­meter, und das auch noch freis­te­hend. Fen­ster­lä­den schließe ich nachts nie, weil ich keine habe. Meine gute Duschbi­lanz zer­stört der tropfende Wasser­hahn in der Küche. An meiner Kühlschranksi­t­u­a­tion hat sich nix geän­dert: Der alte Brum­mer hat mit­nichten die Energieef­fizien­zk­lasse A. Glaub­hafte Zeu­gen meiner ganz per­sön­lichen Umwelt­poli­tik der kleinen Schritte sind lediglich Energies­par­lam­pen und der Rundum-Verzicht auf Stand-by.

Die Fra­gen wur­den heik­ler: Welches Verkehrsmit­tel ich haupt­säch­lich für den Arbeitsweg benutze? Meine Beine (lustiges Vehikel und Antwort 1), denn die tun’s mir bis zum Home-office. Unberück­sichtigt ließ ich die regelmäßi­gen Kun­denbe­suche per Auto im Umkreis von 80 Kilo­me­tern. Ich schwöre, im Affekt, weil schneller gek­lickt als nachgedacht. Statt Plan­eten­mord plädiere ich deshalb auf Plan­e­ten­totschlag. Eine weit­ere schwammige Angele­gen­heit: die Selb­stein­schätzung meiner Ess­ge­wohn­heiten. Im Moment des Mausklicks war ich zutiefst davon überzeugt, weniger als zweimal die Woche (zweitbeste Antwort) Fleisch zu essen. Dabei fokussierte sich mein inneres Auge zu sehr auf Braten, Steaks, Leberkäsweckle – blind war es bezüglich meines täglichen Wurstkonsums.

Wenig opti­males Küchengerät brachte mich eben­falls in Teufel­sküche. Von meiner beschei­de­nen Abfall­tren­nung in Gel­ber Sack, Rest­müll und Alt­pa­pier ganz zu schweigen. Mein Fußab­druck wurde immer dicker und fet­ter. Wenig­stens meine Freizeitbeschäf­ti­gun­gen wie Lesen und Spazieren fan­den Gnade. Warum jedoch, wenn ich die Antwort­möglichkeiten richtig einordne, neben Ski­fahren und Motor­rad­fahren Hal­len­sport zu den Umwelt­tod­sün­den zählt, bleibt rät­sel­haft. Schwitzt der Men­sch CO²?

Im Ver­lauf der Befra­gung ver­strickte ich mich immer weiter in ein Netz aus Halb­wahrheiten. Die niederträchtig­ste aller Antworten gab ich auf die Frage nach der Anzahl meiner Flüge im let­zten Jahr: null, man­gels Zeit und Kohle (!), ergo wahrheits­ge­treu. Aber näher betra­chtet nur heiße, CO²-geschwängerte Luft: Denn setze ich 2009 meine Urlaub­spläne wun­schgemäß um (Kreta, Rom und/oder Shop­ping in New York), mutiere ich zu einem schreck­lichen Bigfoot-Monster. Dann bin ich kein Molekül besser als die Schwe­den (im Footprint-Ranking der Umwelt­sün­der mit 3,4 Plan­eten auf Platz zwei, was ich von den Bewohn­ern Lön­neber­gas nun wirk­lich nicht gedacht hätte). Oder ich ziehe je nach Flugstun­den gar mit den US-Amerikanern gle­ich (nicht überraschend die größten Öko-Ferkel mit 6 Plan­eten). Spätestens dann muss ich wohl ins platte Weltverbesserer-Mantra ein­stim­men und geloben:  ja, auch ich sollte kön­nen müssen.

 

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